Wasser – das alles beherrschende Thema

Die Seeanlieger bangen um ihre Häuser. Der Wasserspiegel ist gegenüber der Vorjahre extrem gestiegen. Jetzt wird nach Ursachen und vor allem nach Abhilfe gesucht. Doch nicht erst seit gestern und heute weiß man, wie problematisch es ist, in den Haushalt der Natur einzugreifen oder latente Gefahren zu missachten. So wirkt sich eben heute aus, dass man bei der Anlage der Kiesgruben zum Autobahnbau kurzerhand den weiteren Verlauf des Klengelgrabens gekappt hat. Jahrelang ist das gut gegangen. 2010/11 meldet er sich wieder – mit viel Wasser. Ergebnis: Freizeitzentrum unter Wasser. (Wobei andere Fliesgewässer ebenfalls ihren Beitrag dazu geleistet haben.)
Nicht viel anders liegen die Dinge am Großsteinberger See.
Dieser wird vom Grundwasser gespeist.
Dr. Rudolf Hahn, Geschäftsführer der ersten Seegesellschaft, schreibt in seiner „Geschichte des Großsteinberger See‘s“ u. a.: „ Im Betrieb arbeitete zuerst ein Trockenbagger, um den Abraum (Erdmassen, Ton, Lehm gemischt mit Steinen), welcher etwa 3 m hoch über dem Kiesplateau lagerte, zu entfernen… Hierbei zeigte es sich nun, dass der damalige Grundwasserspiegel etwa 25 cm unter der Oberkante des Kiesplateaus stand. Das Grundwasser trat bei der Kiesbaggerung überall zu Tage.“
An anderer Stelle schreibt er: „Der Wasserstand des Sees ist in den Jahren 1904 – 1933 sehr verschieden gewesen. Zwischen dem tiefsten und höchsten Stand liegt ein Höhenunterschied von ca. 2 m. Die Höhe des Wasserstandes hängt in erster Linie von dem Stand des Grundwassers ab. In regenreichen Jahren, in Jahren mit viel Schnee ist sofort mit einem Steigen des Wasserspiegels zu rechnen, während in trockenen Jahren, wie z.B. in den letzten Jahren, der Wasserspiegel ständig sinkt. Stark beeinträchtigt wird aber der Wasserstand des Sees durch die Tätigkeit des Wasserwerkes in Ammelshain. Das machte sich besonders in den Jahren 1932/33 bemerkbar, weil das Wasserwerk nach Anlage von mehreren hundert neuen Bohrlöchern dem Grundwasser täglich außerordentlich große Wassermengen entzog. Die Folge war, dass in den Grundstücken am See sowohl als auch in den Gemeinden Großsteinberg und Klinga in den Brunnen Wassermangel eintrat, so dass die Brunnen vertieft werden mussten. Die beiden Gemeinden sowie die Grundstückbesitzer am See werden gut tun, gegen weiteres Versiegen der Brunnen, bedingt durch die große Wasserentnahme seitens des Wasserwerkes Ammelshain, Einspruch zu erheben.“
Helfried Mengel, zu jener Zeit Ortschronist der Gemeinde Großsteinberg, schreibt an anderer Stelle: „Da der Wasserspiegel des Sees durch die Absenkung im Braunkohlentagebau immer weiter sank und um auch das Grundwasseraufkommen im Naunhofer Gebiet zu erhöhen, wurde durch ein Pumpwerk an der Muldenvereinigung bei Sermuth Wasser aus der Freiberger Mulde hierher gepumpt. Dadurch stieg der Wasserspiegel wieder um zwei Meter.“
Allerdings stand der dafür angelegte Graben mehr trocken. Die angepeilten zwei Meter waren so nicht erreicht worden. Die Zulaufgräben sind inzwischen verfüllt. Durch die Flutung der Tagebaue macht sich dieses aufwändige Verfahren überflüssig.
Ein weiterer Grund, warum der Grundwasserspiegel so relativ schnell und stark angestiegen ist, liegt im verfüllen der Meliorationsgräben in der Landwirtschaft. Bei starken Niederschlägen konnte das Oberflächenwasser schon zu Beginn des Regens abfliesen. Es drang nur wenig bis in den Grundwasserbereich vor. Bäche wie der Cladegraben konnten dieses Wasser problemlos abtransportieren. Das ist heute nicht mehr der Fall. Das Wasser steht lange Zeit auf den Feldern und erhöht den steigenden Grundwasserspiegel weiterhin. Besonders in den Gefilden des Urstromtales der Mulde, wo große Kieslager dem Wasser einen beinahe ungehinderten Lauf lassen, ist ein Niveauausgleich schnell hergestellt. Nachdenkliche Hydrologen weisen bereits auf diese Problematik hin.
Der Versuch, den Wasserspiegel des See‘s auf eine unbedrohliche Höhe zu senken, indem man Wasser in den Klengelgraben pumt, musste aus oben genannten Gründen aufgegeben werden. Jetzt ist man dazu übergegangen, dieses Wasser in den Cladegraben zu pumpen. Dazu wurde eine Rohrleitung verlegt, die in Höhe der Bungalows links der Straße nach Naunhof die Straße überbrückt und entlang der Fahrbahn Pomßener Landstaße verläuft. Bei HABA-Beton überbrückt sie erneut die Fahrbahn, hier die Einfahrt zum Betonröhrenwerk. Ein Stück weiter endet die Rohrleitung im Straßengraben, der in die Clade mündet.
Dass ein solches Verfahren nur eine vorübergehende Lösung darstellen kann, ergibt sich aus der Tatsache, dass  nun mal der Wasserstand des See‘s vom Wasserstand des Grundwassers abhängt.
Wenn, wie in einem Artikel der LVZ (Klengelgraben braucht Abfluss) angeführt wird, die Auswirkungen der Flutung von Tagebauen nicht in den Naunhofer und Großsteinberger Raum reichen, so kann dem nicht zugestimmt werden. Der Grundwasserstand pegelt sich nach dem Gesetz der kommunizierenden Röhren ein. Das Wasser findet natürlich nicht die gleichen Wege, die es bei der Absenkung genommen hat. Teilweise existieren sie auch nicht mehr. Dafür findet es neue. Dazu kann eine geraume Zeit verstreichen. Doch früher oder später gleicht sich der Wasserstand aus. Das hat bisher noch niemand außer Kraft setzen können. Der Beginn der Messungen, auf die man sich beruft, liegt im Jahre 1982. Die Beobtachtungen von Dr. Hahn, wonach der See eine Höhenschwankung von bis zu zwei Metern aufwies und durch die Pumptätigkeit des „Wasserwerkes Ammelshain“ eine stete Absenkung des Grundwasserspiegels zu beobachten war, wurden 1934 zu Papier gebracht.
Wenn also wieder Rahmenbedingungen eintreten, wie sie bei der Gründung der ersten Seegesellschaft vorhanden waren, wird man wohl feststellen müssen, das im Laufe der Zeit der notwendige Sicherheitsabstand zur Wasserlinie nicht in jedem Falle mehr ausreichend beachtet wurde.

see_003

Der Wasserstand ist extrem hoch

see_001

Die Rohrleitung überbrückt die Straße

see_002

Die Leitung verläuft parallel mit der Pomßener Landstraße

see_006

Sie überquert die Einfahrt bei HABA Beton…

see_007

…und mündet im Straßengraben

see_004

Der Straßengraben führt in die Cladesee_005

Die Clade – aus Richtung Großsteinberg kommend…

see_008

…und in Richtung Lindhardt/Naunhof weiterführend

Dieser Eintrag wurde veröffentlicht in Allgemein von Ortschronist. Setze ein Lesezeichen zum Permalink.