1945 – von Niederschlesien bis nach Großsteinberg

28.Juli 2026 – Waldemar und Siegfried Wende beim Bürgermeister
Die Brüder Wende waren auf der Flucht aus Schlesien bis nach Großsteinberg gekommen und lebten im Klassenzimmer der Alten Schule. Waldemar war zu dieser Zeit 9 Jahre alt, Siegfried kam hier in Großsteinberg in der Gemeindeschwestern-Station zur Welt.
Sie hatten beim Bürgermeister angerufen, um einen Ansprechpartner zu haben, da sie in Großsteinberg die ihnen noch im Gedächtnis gebliebenen Orte aufsuchen wollten.
Bürgermeister Kretschel bat den Ortschronisten Rolf Langhof an diesem Treffen teilzunehmen.
Pünktlich 10:00 Uhr versammelte man sich im Büro von Jürgen Kretschel. Beide Brüder waren in bester Verfassung. Waldemar ist in Cottbus zu Hause und Siegfried in Niesky.
Sie erwiesen sich als angenehme Gesprächspartner.
Waldemar Wende konnte sich noch an vieles erinnern. Er hatte sich auf dieses Gespräch akribisch vorbereitet und 4 DIN A4-Seiten mit Stichworten beschrieben (siehe weiter unten). So erfuhren wir vieles über Flucht und Vertreibung.
Der Vater wurde im 1. Weltkrieg verwundet und war daher nicht bei der Wehrmacht. Dem ältesten Sohn der kinderreichen Famile fiel die Stelle des Familienvorstandes zu.
In Eile wurde das Nötigste auf einen Pferdewagen gepackt und die 10-köpfige Familie – Mutter schwanger – machte sich auf den Weg ins Ungewisse. Vater Wende erkundete als stellvertretender Treckleiter mit dem Fahrrad die Wege nach deren Befahrbarkeit.

Eine Station war unter anderem Großsteinberg. Die 10 Personen fanden im damaligen Kindergarten in der Alten Schule eine Unterkunft. Wo die Mutter das Essen zubereitet hat, konnte Waldemar nicht berichten. Er, seine Geschwister und Dorfkinder verbrachten ihre Zeit auf der Straße. Die Pferde kamen beim Bauern Kötz unter. Dort kam dann auch das Fohlen zur Welt. Der Vater und der älteste Bruder fanden bei Kötz Arbeit. Vermutlich konnten sie auf diese Weise die Ernährung der Familie sicherstellen.
Inzwischen, am 28. Juni 1945, kam auch Siegfried Wende zur Welt. Die damalige Gemeindeschwestern-Station diente als Entbindungsstation.
Der Treck zog Richtung Bayern weiter.
Wegen des Babys und auch wegen des noch so jungen Fohlens blieben die Wendes.
Die Gesprächsrunde beim Bürgermeister Kretschel dauerte runde zwei Stunden. Da Waldemar Wende gerne noch die Alte Schule und den ehemaligen Bauernhof von Bauer Keks (so hatte er den Namen Kötz in Erinnerung) sehen wollte, erklärte sich Chronist Langhof bereit, beide zu begleiten. Waldemar kamen dabei immer neue Erinnerungen. Der Besuch beim heutigen Anwesen Zupan, der Enkelin von Kötz, verlief sehr positiv. Frau Zupan war gerade anwesend und bereit, sich mit den beiden Brüdern auszutauschen. Das war für alle drei hoch interessant. Anschließend besuchten wir noch die Alte Schule. Die Unterkunft bestand nur aus dem ehemaligen Klassenzimmer. Im oberen Stockwerk, der früheren Lehrerwohnung, lebte derzeit eine ältere Frau.
Zu anderen Räumlichkeiten hatten die Wendes keinen Zugang.
Eine kurze Besichtigung der Kirche rundete den Besuch ab. Gegen 13:00 Uhr verabschiedete man sich.
Die beiden Wendes waren sehr zufrieden. Laut Aussage hatten sich ihre Erwartungen mehr als erfüllt.
Für die Ortschronik ist es ein unbezahlbarer Gewinn.

Von links: Waldemar Wende, Bürgermeister Jürgen Kretschel, Siegfried Wende
Ehemaliges Bauerngut Kötz, heute Zupan –
von links Waldemar Wende, Elvira Zupan, Siegfried Wende

Alte Schule – von links Siegfried Wende, Waldemar Wende

Eingang alte Schulstube
Blick auf den Ein-/Ausgang
Blick Richtung Straße